Schule im Landkreis Diepholz - Ein Gespräch hinter den Kulissen. Ein Beitrag von Kai-Uwe Jobst

Veröffentlicht am 18. September 2025 um 12:22

Am 25. August 2025 hatte ich die Möglichkeit, ein sehr eindringliches Gespräch mit einer Grundschullehrerin zu führen, die seit über 25 Jahren im Landkreis Diepholz unterrichtet. Sie möchte anonym bleiben, denn die Themen, über die wir sprachen, sind sensibel und brisant. Umso dankbarer bin ich, dass sie mir so offen Einblicke in ihre Erfahrungen und Sorgen gegeben hat.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Sie trägt schwer an dem, was sie in den letzten Jahrzehnten an den Schulen miterlebt hat. Und sie möchte mit diesem Gespräch darstellen, warum das so ist – in der Hoffnung, dass sich die Zustände an den Schulen verbessern.

 

25 Jahre Wandel im Klassenzimmer

Auf meine Frage, wie sie die Entwicklung in den vergangenen 25 Jahren wahrgenommen hat, antwortete sie ohne Zögern: „Früher hatten wir vielleicht ein oder zwei Kinder pro Klasse, die besonders verhaltensauffällig waren. Heute sieht das völlig anders aus.“

Ein zentraler Einschnitt war für sie das Jahr 2012, als der Niedersächsische Landtag das Gesetz zur Einführung der inklusiven Schule beschloss. Eigentlich ein guter Gedanke, doch die Umsetzung sei aus ihrer Sicht gescheitert: „Es fehlte an zusätzlichem Personal, an sonderpädagogischer Unterstützung und an Geld. Die Klassen wurden weder kleiner, noch bekamen wir mehr Lehrkräfte. Und auf den inklusiven Unterricht waren viele von uns schlicht nicht vorbereitet.“

Das Ergebnis: Überforderte Lehrkräfte, überlastete Kinder und ein Lernklima, das immer schwieriger wurde. „Wenn in einer Klasse viele Kinder Förderbedarf haben, und es nicht genügend Unterstützung gibt, dann leiden am Ende alle – auch die Kinder ohne Probleme.“

 

Die Flüchtlingswelle 2015 – ein neuer Bruchpunkt

Ein weiteres Schlüsseljahr sei 2015 gewesen: „Mit der Flüchtlingswelle wurde die Situation noch viel schwieriger. Ab da habe ich auch einen massiven Verfall der Wertekultur in den Schulen erlebt.“

Sie kritisiert, dass Lehrkräfte zunehmend Aufgaben übernehmen müssten, die eigentlich in den Bereich der Eltern gehören: „Erziehung ist Aufgabe der Eltern. Doch viele können oder wollen sie nicht leisten – und wir stehen dann da, sollen uns mit Dingen wie Kinderehen auseinandersetzen, anstatt Wissen zu vermitteln.“

 

Regeln, Sprache, Bewegung – die drei Säulen

Besonders eindringlich sprach sie über drei Themen, die für sie unverzichtbar sind, wenn Schule gelingen soll:

  1. Regeln und Konsequenzen:
    „Kinder brauchen klare Regeln – und wenn diese nicht eingehalten werden, muss es Konsequenzen geben.“
  2. Sprache:
    „Wir brauchen endlich verbindlichen Sprachunterricht. Viele Kinder kommen mit massiven Sprachdefiziten in die Grundschule. Das macht es fast unmöglich, sinnvoll zu unterrichten. Und die Kinder, die Deutsch sprechen, leiden darunter.“
  3. Bewegung, Leistung und Sozialkompetenz:
    Mit deutlicher Betroffenheit sprach sie über die Kürzungen im Sportunterricht: „Das ist eine Katastrophe. Kinder müssen sich bewegen. Bewegung ist nicht nur gesund, sie lehrt auch Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft und vor allem Sozialkompetenz – wie man miteinander umgeht. Aber genau das wird ihnen genommen. Wenn dann auch noch die Bundesjugendspiele abgeschafft werden, fehlt es komplett an Anreizen, sich anzustrengen.“

„Wir fahren gegen die Wand“

Gegen Ende unseres Gesprächs wurde ihre Stimme sehr ernst. Sie sprach von zunehmendem Islamismus an Schulen, von fehlender Ehrlichkeit in der Politik und von einer gefährlichen Entwicklung, die man nicht länger schönreden dürfe.

Ihr Appell war eindringlich: „Die Kinder sind unsere Zukunft. Wenn wir sie nicht ins Leben begleiten und ihnen die nötigen Grundlagen geben, verlieren wir den Wohlstand in diesem Land. Und wir sehen doch schon jetzt, wohin es geht.“

Trotz aller Schwierigkeiten bleibt sie weiterhin im Schuldienst – mit der Hoffnung, dass sich die Situation bessert und Politik wie Gesellschaft endlich die notwendigen Konsequenzen ziehen.

 

Mein Fazit

Dieses Gespräch hat mich tief bewegt. Es zeigt, dass sich hinter den Klassenzimmertüren ein Alltag abspielt, von dem viele Menschen nur am Rande etwas mitbekommen. Lehrkräfte sind längst nicht mehr nur Wissensvermittler, sondern stehen im Kreuzfeuer gesellschaftlicher Entwicklungen.

Die Lehrerin, mit der ich sprach, hat mir ein Bild gezeichnet, das nachdenklich macht. Es ist unbequem, aber vielleicht gerade deshalb so wichtig. Denn: Die Kinder sind tatsächlich unsere Zukunft – und wir sollten uns ernsthaft fragen, ob wir gerade genug tun, damit sie diese Zukunft auch tragen können.