Der Fall um den US-Moderator Jimmy Kimmel schlägt hohe Wellen. Nachdem er sich in seiner Show kritisch zu dem Attentat auf Charlie Kirk äußerte, reagierten Behördenvertreter mit Drohungen und schließlich mit der Absetzung seiner Sendung. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit – Befürworter hingegen meinen, es treffe endlich einmal die „Richtigen“.
Gerade für viele konservative Beobachter mag das eine Genugtuung sein: Die amerikanische Linke, die jahrelang mit Cancel Culture politische Gegner mundtot gemacht hat, sieht sich plötzlich selbst auf der Opferseite. Ein Stück weit wirkt das wie eine späte Gerechtigkeit. Doch wer diesem Impuls nachgibt, tappt in eine gefährliche Falle.
Die trügerische Genugtuung
Natürlich ist es verführerisch, Schadenfreude zu empfinden. Schließlich haben linksliberale Medien und Aktivisten in den letzten Jahren nicht gezögert, unliebsame Stimmen auszugrenzen, Karrieren zu zerstören und Debattenräume zu verengen. Dass nun einer ihrer eigenen Stars betroffen ist, scheint manchen als gerechte Strafe.
Aber genau hier liegt der Denkfehler: Wer Zensur bejubelt, weil sie den politischen Gegner trifft, macht sich die Logik seiner Gegner zu eigen. Man übernimmt stillschweigend das Prinzip, dass das Recht auf freie Rede nicht universell gilt, sondern je nach politischer Opportunität entzogen werden darf. Das ist der Kern der Cancel Culture – und damit der Schritt in eine Gesellschaft, in der Macht statt Recht entscheidet.
Warum Zensur nie legitim ist
Eine Demokratie lebt von offenen Debatten, von kontroversen Stimmen und von der Freiheit, auch Unangenehmes auszusprechen. Sobald man beginnt, Einschränkungen zu begrüßen, nur weil sie „die anderen“ treffen, verabschiedet man sich von diesem Prinzip.
Zensur wird dadurch nicht besser oder gerechter – sie bleibt Zensur. Ob sie gegen Rechte, Linke, Liberale oder Konservative angewendet wird, spielt keine Rolle. Wer sie unterstützt, weil sie vermeintlich den Richtigen trifft, öffnet die Tür für ihren Missbrauch gegen sich selbst. Heute trifft es den politischen Gegner, morgen vielleicht einen selbst.
Die eigentliche Aufgabe
Die Herausforderung unserer Zeit besteht daher nicht darin, nach dem Prinzip „Auge um Auge“ zurückzuschlagen, sondern darin, den Rechtsstaat wieder zu stärken. Ein funktionierender Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er Unrecht objektiv ahndet – unabhängig davon, wer betroffen ist oder auf welcher Seite jemand politisch steht.
Nur wenn wir diesen Maßstab verteidigen, können wir die Spirale von Zensur, Vergeltung und weiterer Radikalisierung durchbrechen. Wenn wir hingegen die Methoden des Gegners übernehmen, haben seine Protagonisten bereits gewonnen – nicht auf der Straße, sondern in unseren Köpfen.
Fazit
Der Fall Jimmy Kimmel ist mehr als nur eine Episode im amerikanischen Kulturkampf. Er ist ein Lehrstück darüber, wie verführerisch es sein kann, Zensur zu relativieren, solange sie die andere Seite trifft. Doch wer diesem Reflex nachgibt, verliert das Wesentliche aus dem Blick: Die Verteidigung der Pressefreiheit und der Meinungsfreiheit ist kein parteipolitisches Projekt, sondern das Fundament jeder freien Gesellschaft.
Oder zugespitzt: Wer Zensur feiert, weil sie den Gegner trifft, hat bereits verloren.